Einfaches Focaccia-Rezept: knusprig, luftig, über Nacht
Für dieses Brot rührst du den Teig genau einmal – und legst ihn dann für mindestens 8 Stunden in den Kühlschrank, ohne ihn anzufassen. Kein Kneten, keine Küchenmaschine, kein Aufwand. Aber genau diese Kälte ist der Grund, warum die Krume so ungewöhnlich offen und aromatisch wird – und nicht das Olivenöl, das du am Ende großzügig darübergießt.
Nach einer Nacht im Kühlschrank und zwei Stunden Gare bei Raumtemperatur backst du eine Focaccia mit echter Knusperkruste, tiefen Öl-Dellen und einer weichen, porösen Krume – alles mit unter 15 Minuten aktiver Arbeitszeit. Das Rezept funktioniert beim ersten Versuch, auch ohne Backerfahrung.
Profi-Tipp
Der häufigste Fehler: Mehl nachstreuen, weil der Teig zu klebrig wirkt. Genau das zerstört die Struktur. Ein weicher, fast flüssiger Teig mit 75 % Hydration (240 g Wasser auf 250 g Mehl) ist hier kein Problem – er ist das Ziel. In meiner Küche habe ich drei Versionen getestet: Der Teig mit weniger Wasser ergab eine dichte, brotartige Krume. Der klebrige Teig, den man kaum formen kann, liefert die großen Poren. Feuchte Hände statt Mehl lösen das Klebeproblem vollständig.
Weizenmehl Type 550 (im Supermarkt bei Rewe, Edeka oder Migros als ‘550er’ oder ‘Weizenmehl hell’ erhältlich) funktioniert besser als Type 405 – die etwas höhere Kleberstruktur trägt den schweren Teig. Für das Meersalz obenauf: Maldon-Flocken gibt es im Gewürzregal bei Rewe und dm, alternativ tut es grobes Meersalz aus dem Salzstreuer.
Einfaches Focaccia-Rezept: knusprig, luftig, über Nacht
8
Portionen15
minutes25
minutes185
kcal10
hours10
hours40
minutesZutaten
250 g Weizenmehl Type 550
1 TL Salz (fein)
4 g Trockenhefe (ca. 1¼ TL)
240 ml lauwarmes Wasser (ca. 35 °C)
60 ml Olivenöl (aufgeteilt: 15 ml für die Form, Rest zum Beträufeln)
1 TL getrockneter Oregano
2 TL getrocknetes Basilikum
1 TL Meersalzflocken (z. B. Maldon oder grobes Meersalz)
Zubereitung
- Mehl, Salz und Hefe in einer Schüssel vermengen. Das lauwarme Wasser dazugießen und mit einem Löffel zu einem klebrigen, gleichmäßigen Teig rühren – das dauert etwa 1 Minute. Der Teig soll sich wie dicker Pfannkuchenteig anfühlen: er zieht Fäden, klebt am Löffel, und das ist richtig so.
- Schüssel mit Frischhaltefolie abdecken, mindestens 8 Stunden (bis zu 24 Stunden) in den Kühlschrank stellen. Nach der Kältegare riecht der Teig leicht säuerlich-hefig – dieses Aroma überträgt sich direkt auf die fertige Focaccia.
- 15 ml Olivenöl in eine runde Backform (Ø ca. 20 cm) gießen und die gesamte Innenfläche damit einstreichen. Den kalten Teig mit feuchten Händen zu einer losen Kugel formen und in die Mitte der Form legen. Niemals Mehl auf die Arbeitsfläche – feuchte Hände verhindern das Kleben ohne die Hydration zu verändern.
- Form mit Folie abdecken und 2 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen, bis der Teig die Form fast vollständig ausfüllt. Wenn der Teig noch 2 cm vom Rand entfernt ist, warte noch 20 Minuten – eine unvollständige Gare gibt eine flache, dichte Focaccia.
- Ofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Folie abnehmen, restliches Olivenöl über den Teig träufeln, dann mit allen zehn Fingern tiefe Dellen bis auf den Formenboden drücken. Das Öl sammelt sich in den Dellen und bildet beim Backen kleine knusprige Taschen – man hört es leise brutzeln, sobald die Form in den Ofen kommt.
- Oregano, Basilikum und Meersalzflocken gleichmäßig aufstreuen. Form auf dem unteren Drittel des Ofens 22–25 Minuten backen. Die Focaccia ist fertig, wenn die Oberfläche tiefgolden ist und sich die Unterseite beim Anheben mit einem Pfannenwender fest und trocken anfühlt.
- 5 Minuten in der Form abkühlen lassen, dann herauslösen. Wer zu früh schneidet, verliert den Dampf in der Krume – kurzes Warten lohnt sich.
Varianten
**Rosmarin & Knoblauch:** Frische Rosmarinnadeln und dünn geschnittenen Knoblauch statt Oregano und Basilikum in die Dellen drücken – das Öl nimmt das Aroma beim Backen auf. **Mit Oliven und getrockneten Tomaten:** Halbierte Kalamata-Oliven und in Streifen geschnittene getrocknete Tomaten (im Glas, in Öl eingelegt) vor dem Backen auf den Teig legen – gibt kräftigere, mediterrane Röstaromen.
Beilagen
Ein Schälchen gutes Olivenöl mit einem Schuss Balsamico zum Dippen macht aus der Focaccia einen vollständigen Auftakt. Eine Schüssel Tomaten-Basilikum-Suppe daneben verwandelt das Brot in ein sättigendes Mittagessen. Kalt aufgeschnitten mit Büffelmozzarella und Rucola funktioniert die Focaccia auch als belegtes Brot.
FAQ
Kann ich den Teig auch ohne Übernacht-Kühlung backen?
Ja, aber das Ergebnis schmeckt deutlich flacher. Die Kältegare von mindestens 8 Stunden erzeugt organische Säuren und CO₂-Blasen, die für die offene Krume und das Aroma verantwortlich sind. Wer es eilig hat, kann den Teig 2 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen – die Textur wird dichter, das Brot aber trotzdem essbar.
Wie lagere ich die Focaccia, wenn etwas übrig bleibt?
Vollständig abkühlen lassen, in Folie wickeln und bei Raumtemperatur bis zu einem Tag aufbewahren. Zum Aufwärmen 6–8 Minuten bei 175 °C in den Ofen – die Kruste wird dabei wieder knusprig. Eingefroren hält sie bis zu 2 Monate, einfach in der Folie bei Raumtemperatur auftauen.
Meine Focaccia ist nach dem Backen innen noch etwas gummiartig – was ist schiefgelaufen?
Meistens war die Gare vor dem Backen zu kurz oder die Ofentemperatur zu niedrig. Ein Backofenthermometer lohnt sich hier: Viele Haushaltsöfen heizen 10–20 °C zu wenig auf. Wer die Focaccia auf dem unteren Ofenrost bäckt, gibt der Unterseite mehr direkte Hitze – das macht den entscheidenden Unterschied, besonders wenn man mit verschiedenen Toppings experimentiert.